StiDU-Rundbrief 3/2022 (23.5.2022)

1.6.22

An die/den

Herrn Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover, Belit Onay

Herrn Regionspräsidenten, Steffen Krach

Damen und Herren Vorsitzende(n) der Fraktionen und Mitglieder der Sozialausschüsse der Regionsversammlung und des Rates der Landeshauptstadt Hannover sowie des Stadtentwicklungs und Bauausschusses der Landeshauptstadt Hannover

Frau Dezernentin für Soziales und Integration der Landeshauptstadt Hannover, Sylvia Bruns

Herrn Baudezernenten für die Landeshauptstadt Hannover, Thomas Vielhaber

Frau Bildungsdezernentin der Landeshauptstadt Hannover, Rita Maria Rzyski

Herrn Stadtkämmerer Dr. Axel von der Ohe

Frau Dezernentin für Soziale Infrastrukturder Region, Frau Dr. Andrea Hanke

Frau Dezernentin für Öffentliche Gesundheit, Sicherheit und IT der Region, Frau Cora Hermenau

Leitungen Träger Sucht- und Wohnungslosenhilfe

Herrn Stadtsuperintendenten, Rainer Müller-Brandes

Herrn Regionaldechanten der Kath. Kirche Region Hannover, Propst Dr. Christian Wirtz

  

StiDU-Rundbrief  3/2022

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

obdachlose Menschen benötigen zum Überleben nicht nur eine warme Suppe und eine Notschlafstelle fürdie Nacht;  ein wesentlicher Baustein ist für sie auch ein niedrigschwelliger Zugang zu medizinischer Versorgung.

In der vergangenen Woche gab es zwei Veranstaltungen, die sich mit diesem Thema durchaus kritisch beschäftigten und unserer Einschätzung nach größere Aufmerksamkeit der interessierten Fachöffentlichkeit verdienen:

1.

Am Mittwoch gab es einen Festakt der Ärztekammer Niedersachsen, bei dem auf 20 Jahre medizinischeVersorgung von wohnungslosen Menschen in Hannover zurückgeblickt wurde.

Wir zitieren dazu aus der entsprechenden Pressemitteilung der ÄKN:

Wie Wohnungslose undvon Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen wieder in die Regelversorgungzurückgeführt werden können und welche Forderungen an die Politik gestelltwerden, stand im Zentrum des Festakts "20 Jahre medizinische Versorgungvon wohnungslosen Menschen in Hannover".

Vor mehr als 20 Jahren wurde dasWohnungslosenprojekt von Dr.med. Cornelia Goesmann ins Leben gerufen, um jenen Menscheneine "ganzheitliche, niedrigschwellige Patientenversorgung"anzubieten, die in der medizinischen Regelversorgung unberücksichtigt bleiben.Die ehemalige Vorsitzende der Bezirksstelle Hannover der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) stelltegestern beim Festakt zum 20-jährigen Bestehen des Projekts "MedizinischeVersorgung Wohnungsloser in Hannover" die Ergebnisse einer Evaluation vorund forderte unter anderem die "Abschaffung der Zuzahlung für Medikamenteab einem bestimmten Einkommensniveau". Dr. med. Thomas Buck, GoesmannsNachfolger als Vorsitzender der ÄKN-Bezirksstelle Hannover und Moderator des Veranstaltung, bezeichnete es als gesellschaftliche Aufgabe, sich um dienotleidenden Menschen zu kümmern: "Wir sind auf einem guten Weg aber noch nicht am Ziel", sagte der in Hannover niedergelassene Arzt.

Der politische Wille, diemedizinische Versorgung der Wohnungslosen und Wohnungslosigkeit bedrohtenMenschen zu fördern, wurde in den Redebeiträgen des Festakts deutlich."Wir sind bereit, zu unterstützen", betonte Michaela Michalowitz, die stellvertretende Präsidentin der Region Hannover in ihrem Grußwort. Auch Hannovers Bürgermeisterin Monica Plate sah es als Aufgabe der Stadt Hannover,Sorge für diese Menschen zu tragen: "Gemeinsam mit der Region, mit Ihnen allen."

Einen bewegen den Vortrag zu denAuswirkungen der Pandemie auf wohnungslose Menschen hielt Ramona Pold, Sozialarbeiterin des Caritasverbands Hannover e.V.: "Von jetzt auf gleich wurden diesen Menschen die Rückzugsorte genommen." "Die Pandemiewirkte als Brennglas auf die ohnehin schon prekäre Lage der Menschen",schilderte Diakoniepastor Friedhelm Feldkamp in seinem Vortrag die Sicht des Diakonischen Werks Hannover GmbH.

Ergänzend dazu - die politischen Forderungen von Frau Dr. Goesmann im Einzelnen waren:

·   Einführungeiner obligatorischen, bezahlbaren Krankenversicherung

·   Abschaffung der bisherigen Zuzahlungen von 1% und 2% zu Verordnungen. Einlokaler Fonds der Region sollte zunächst die Zuzahlungen übernehmen

·   Wiedereinführung des Modellprojekts „Anonymer Krankenschein für Illegalisierte“ in Niedersachsen.

·   Die Region Hannover sollte für die Sprechstunden des Projekts Gelder zur Verfügungstellen und Ärzte fest anstellen

·   Die Versorgung der von Wohnungslosigkeit bedrohter Menschen ist eine staatliche Aufgabe.

Mehr Infos dazu hier

Der bewegende Vortrag von Frau Pold ist hier zu finden.

Zudem wurde eine lesenswerte Festschrift vorgelegt – hier abrufbar

 

2.

Am Donnerstag wurde dann im Sozialausschuss der Region der Sozialpsychiatrische Plan 2022 vorgestellt, der sich mit der Situation und Versorgung wohnungsloser psychisch kranker Menschen beschäftigt.

 

Wir zitieren dazu ausder entsprechenden Info-Drucksache die Zusamenfassung der Kernaussagen:

·    Das Unterstützungsangebot für Menschen, diewohnungslos und psychisch krank sind, ist zu optimieren

·    Die Hürden der Inanspruchnahme vorhandener psychiatrischer Behandlungsangebote sind hoch Aufsuchende und nachgehende psychiatrische Hilfen könnten Hürden abbauen, die Kapazitäten fehlen jedoch

·    Eine angemessene Versorgung des Personenkreisesist nur durch Vernetzung und Kooperation aller Hilfesysteme und -angebote zuerreichen

·    Es gibt spezifische Bedarfe verschiedenerPersonengruppen (z. B. Frauen, junge Menschen), die sich mit den allgemeinenHilfsangeboten nicht decken lassen

·    Es bedarf des Ausbaus von niedrigschwelligenpsychiatrischen Hilfen und Wohn- und Beratungsangeboten für den Personenkreis

Die Info-Drucksachenebst Plan und Präsentation ist hier abrufbar.

Alles in allem boten beide Veranstaltungen eine Fülle von Informationen. Für StiDU ist es deshalbnoch zu früh, eine  abschließende Bewertung abzugeben oder gar dezidierte Forderungen zu stellen.

In jedem Fall abermeinen wir, dass insbesondere diejenigen, die Mecki 2.o, den Umbau derImmobilie Augustenstraße planen, sich das alles einmal zu Gemüte führensollten. Denn diese Immobilie bietet eine einmalige Chance, die veröffentlichten Erkennntnisse  zu nutzen und Weichen in eine positive Zukunft zu stellen.

 

 

 

Andrea Weinhold-Klotzbach  (2. Vorsitzende)                                                 Andreas Sylvester (Schatzmeister)

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